Mieterstrom – Ein hoffnungsvolles Modell der Energiewend

Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn jeder einzelne etwas dazu beitragen kann. Das Mieterstrommodell ist eine Möglichkeit, durch das jeder Mieter und Vermieter von erneuerbaren Energien profitieren könnte. Wären da nicht die hohen bürokratischen Hürden.

Der Mieterstrom ist ein wichtiges Konzept, mit denen die Energiewende gelingen könnte. Mieterstrom bedeutet einfach erklärt, dass Mieter und Vermieter auf ihrem Dach eine Photovoltaikanlage installieren und so von dem erzeugten Strom für den Eigenbedarf profitieren können. Es ist jedoch auch möglich das Dach Dienstleistern zu verpachten. Dienstleister, wie spezielle Energieversorgungsunternehmen oder Mieterstromdienstleister, übernehmen dann die Installation und den Unterhalt der PV-Anlagen.

Häufig wird dabei das Modell als ein win-win-win-Modell gewertet. Erstens ist es dadurch möglich, dass jeder Mieter und Vermieter einen kleinen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Zweitens können sie Geld sparen, indem sie den Strom direkt für sich beziehen. Und drittens müssen nicht mehr allzu viele Flächen mit PV-Anlagen versiegelt werden, wenn genügend Bewohner auf Mieterstrom setzen würden, denn die Anlagen passen auf fast jede Garage, Mietshaus oder Turnhalle.

Das Mieterstromgesetz als bürokratisches Monster

Das 2017 erlassene Mieterstromgesetz wurde als zu bürokratisch und viel zu kompliziert gewertet. So deckelte die Schwarz-Rote-Regierung den Mieterstrom bei 500 Megawatt. Bei dem Deckel wurden seinerseits jedoch nur fünf Prozent ausgeschöpft. Das lag unter anderem an dem hohen Aufwand für Anbieter, da private Vermieter zum rechtlich anerkannten Energieversorger wurden. Dies zog jedoch allerlei aufwändige gesetzliche Vorgaben nach sich. Außerdem ist die Strommessung aufwändig und technische Standards für Mieterstromprojekte fehlten. Auch die Vergütungsdegression und die damit immer geringere Mieterstromförderung trugen nicht dazu bei, dass flächendeckend ein wirtschaftlich sinnvoller Business Case möglich war.  

Anpassung des Mieterstrommodells an die Realität

Die Regierung hat jedoch reagiert. Betrachten wir die Vorteile und Anpassungen, die der Gesetzgeber bezüglich des Mieterstrom-Modells beispielsweise durch die EEG-Novelle 21 vorgenommen hatte, müsste das Konzept eigentlich mittlerweile hoch im Kurs stehen. So wurde die Vergütung für Mieterstromprojekte angehoben. Für eine installierte Leistung bis einschließlich 10 KW wurden 3,79 ct/kWh angesetzt, bis 40 KW 3,52 ct/kWh und bis 750 KW 2,37 ct/kWh). Außerdem besteht laut EEG-Novelle 21 durch ein neues Lieferkettenmodell ein Anspruch auf Mieterstromzuschlag, so dass es nun möglich ist die Marktrolle des Stromlieferanten auf einen Dritten mit energiewirtschaftlicher Expertise zu übertragen. Eine weitere Verbesserung des Mieterstromgesetzes ist im Zusammenhang mit der Anlagenzusammenfassung zu finden. PV-Mieterstromanlagen auf baulich verbundenen Gebäuden wurden bisher zusammengefasst, was zu einer sinkenden Einspeisevergütung aufgrund der höheren Anlagenleistung führte. Durch die neuen Regelungen werden verschiedener Anlagenbetreiber nicht mehr zusammengefasst. So wird der Mieterstromzuschlag einzeln abgerechnet. Sie dürfen allerdings nicht an demselben Anschlusspunkt betrieben werden und nicht denselben Anlagenbetreiber haben.

In dem im April verabschiedeten Fondsstandortgesetz wurde im Deutschen Bundestag außerdem beschlossen, dass Wohnungsbaugesellschaften ihren Mieterinnen und Mietern künftig Mieterstrom anbieten können, ohne ihre gewerbesteuerliche Privilegierung zu verlieren. Damit fallen steuerliche Benachteiligungen weg und PV-Analgen können zukünftig ohne steuerrechtliche Risiken installiert werden.

Die Akzeptanz für Mieterstrom ist da

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2020 würden 78 Prozent auf die Frage „Würden Sie als Mieter einer Wohnung günstigen und klimafreundlichen Solarstrom vom eigenen Mietshausdach (über eine Photovoltaik-Anlage) beziehen, wenn er Ihnen angeboten würde?“ mit ja beantworten. 5 Prozent der befragten Mieter würden sich dagegen entscheiden und 17 Prozent sind unentschlossen. Die öffentliche Akzeptanz ist demnach vorhanden.

Auch die Politik, die immer wieder gesetzliche Anpassungen vornimmt, hat zumindest das enorme Potential von Mieterstrom erkannt. Des Weiteren kann sich auch der Markt immer mehr mit dem Konzept des Mieterstroms anfreunden, da der Business Case Mieterstrom in den meisten Fällen eine gute Marge verspricht. Allerdings ist das Mieterstromgeschäftsmodell sehr komplex, weshalb die Projektierungs- und Abrechnungskosten teilweise recht hoch ausfallen können. Hohe Projektierungskosten können entstehen, wenn zu viele Fachabteilungen eingebunden werden, die eine Lösung erarbeiten müssen. Die Abrechnungskosten waren zumeist zu hoch, da die notwendigen Softwareanpassungen zu teuer und nicht erfolgreich waren. Die Digitalisierung könnte hier den notwendigen Fortschritt schaffen. Jedoch muss ein passender Anbieter gefunden werden und die Implementierung effizient ablaufen.

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Mieterstrom Akzeptanzdreieck

Warum wird das Mieterstrommodell dennoch verschmäht?

Eigentlich könnte man annehmen, dass durch die hohe Akzeptanz und die rechtliche Anpassung, vor allem durch die EEG-Novelle 21 das Mieterstrommodell, zu einem Erfolgsmodell werden müsste. Auch die vielen ökonomischen und ökologischen Vorteile würden dafürsprechen, dass der Anteil an Mieterstrom eigentlich stetig steigen sollte. Laut aktuellen Zahlen aus dem Juni ist man davon jedoch noch weit entfernt. So sind im Mai der Bundesnetzagentur PV-Anlagen mit insgesamt 1,684 Megawatt für einen Zuschlag gemeldet geworden. Die kumulierte Leistung dieser Photovoltaik-Anlagen liegt in diesem Jahr bislang gerade einmal bei 11,25 Megawatt.

Aus unserer Sicht könnte das weiterhin geringe Interesse an Mieterstrom daran liegen, dass zwar Akzeptanz für Mieterstrom vorhanden ist, aber die Umsetzung dennoch einen erheblichen Aufwand bedeutet. Trotz der zahlreichen rechtlichen Verbesserungen ist Mieterstrom immer noch ein Bürokratiemonster. Für private Mieter ist der finanzielle und zeitliche Aufwand immer noch zu groß. Ein sehr einfaches Modell, das auch ohne Förderung funktioniert, könnte hier Abhilfe schaffen. So sollte beispielsweise den Betreibern die Möglichkeit gegeben werden, den erzeugten Strom an einen Abnehmer, wie z.B. Eigenheimbesitzern, aus der Gegend zu verkaufen. Der Reststrom sollte zu den üblichen EEG-Konditionen in das Netz eingespeist werden können.

Sustaynamics und Mieterstrom

Wir von Sustaynamics sehen trotz der immer noch nicht zufriedenstellenden rechtlichen Lage den Mieterstrom als ein Trendthema an, das viel Potential nach oben hat. Deshalb wollen wir es in unserer Fachbibliothek als Trendthema behandeln und so viele Studien und Fallstudien wie nur möglich sammeln, damit Ideenentwickler Vorlagen auswählen können, mit denen sie ihr Projekt trotz aufwendiger Bürokratie in kurzer Zeit an den Start bringen können. Denn Mieterstrom ist einer der vielen Bausteine, mit denen die Energiewende gelingen kann und bei dem sich auch Private direkt an der Energiewende beteiligen können.

 

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Christoph Fabian

Christoph Fabian

Christoph Fabian hat in Augsburg und Freiburg Politikwissenschaften, Soziologie und Geschichte studiert. Die nationale und internationale Klimapolitik waren hierbei schon immer sein Steckenpfed.

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