Die Krux der deutschen Klimapolitik - Resistenzen gegen eine Dezentrale Energiewirtschaft

Die dezentrale Energiewirtschaft ist zu einem Synonym für die unausweichliche Entwicklung zu einem klimaneutralen Energiesektor geworden. Leider stößt diese Entwicklung häufig auf die Resistenz von Akteuren der Politik und der Wirtschaft.

Die deutsche Klimapolitik steht seit Jahren in der Kritik. Seit sich Deutschland im Rahmen des Pariser Klimaabkommens auf das Ziel geeinigt hatte, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf „deutlich unter zwei Grad“ und möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu reduzieren, wurde die Umsetzung dieses Zieles ein Kernpunkt des Koalitionsvertrages von 2018. Die Anstrengungen der Regierung, die Ziele mit einem im Koalitionsvertrag vereinbarten Klimapaket umzusetzen, wurden Ende April durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts eindeutig als nicht ausreichend befunden. Der Grund für das Urteil: Jegliche Freiheit sei potenziell betroffen, weil das Leben der Menschen mit der Treibhausgasemission verbunden sei. Ende Juni wurde dann das neue Klima- und Energiepaket vorgestellt. Wie die Tagesschau berichtete, war die Entwicklung des neuen Klimapakets für die Koalition eine Herausforderung. Die SPD ließ in der anschließenden Pressekonferenz verlauten, dass sie sich „mehr gewünscht hätte“. Von Seiten der Grünen hieß es, dass die von der Koalition schwer errungenen Erfolge „in der Sache kaum etwas bewirken“. Die FDP bemängelt, dass kein konkreter Plan umgesetzt worden sei, der erläutere, wie der Klimaschutz umgesetzt werden solle. Nachvollziehbarerweise.

Das neue Klimapaket aber auch das Bundesverfassungsgerichtsurteil verdeutlichen eine der größten Problematiken der deutschen Klimapolitik. Einige Schlüsselakteure stellen sich gegen den Reformwillen der Gesellschaft und lassen keinen annehmbaren und durchschlagenden Konsens zu. Diese Resistenz gegen das Unvermeidbare sorgte dafür, dass das vom Bundesverfassungsgericht gekippte Klimapaket scheiterte, weil es nicht konsequent genug war – anscheinend sogar verfassungswidrig. Trotz der Bemühungen der Koalitionsparteien lässt sich auch mit dem erneuten Klimapaket keine akzeptable Lösung finden. Das gleiche Problem zieht sich auch durch die deutsche Energiewirtschaft. Die Ablehnung von Maßnahmen durch einzelne Akteure führt häufig zum Scheitern des gesamten Vorhabens. Was lässt sich also dagegen tun?

Ablehnung eines Dezentralisierungsprozesses

Natürlich stößt man in der Politik wie auch in der Wirtschaft auf Resistenzen. Insbesondere, wenn es sich dabei um die strukturelle Veränderung der gesamten Energiewirtschaft handelt. Diese Veränderung ist kostenintensiv, riskant und einige Arbeitsplätze hängen an den alten Strukturen. Laut Umweltbundesamt waren im Jahre 2018 etwa 300.000 Menschen im Bereich erneuerbare Energien beschäftigt. Seit dem Jahrtausendwechsel hat sich die Zahl der Beschäftigten in erneuerbaren Energien verdreifacht. Gleichzeitig machen Begriffe wie „Kohleausstieg“ oder „Atomausstieg“ die Runde. Verständlich, dass der ein oder andere Angestellte im althergebrachten Energiesektor skeptisch gegenüber Veränderungen in Form einer Dezentralisierung steht.

Damit die Dezentralisierung des Energiesektors gelingt und sich neue Marktperspektiven öffnen, müssen sich Unternehmen jedoch Veränderungen stellen. Die Faktoren Innovation und Transition bilden den Kern dieser Veränderungen. Innovation bezieht sich auf Veränderungen von Produkten, Dienstleistungen oder Verfahren, die weiterentwickelt werden. Transition ist die fundamentale oder die Summe kleiner, zahlreicher Veränderungen über einen langen Zeitraum hinweg.

In der Regel führen Innovationen zu einer Transition. Deshalb sorgt Innovation für eine Transformation von Geschäftsideen, der Forschungsvorhaben und/oder des rechtlichen Rahmens. Das bedeutet, dass sich neue Geschäftsstrategien erarbeiten lassen, sich diese Strategien an die rechtlichen Rahmenbedingungen anpassen lassen und technische Innovationspotenziale gefunden und erkannt werden, um sie im Markt umzusetzen. Innerhalb einer Organisation sind also Flexibilität und daher der Wille zur Veränderung der Schlüssel. Im Wesentlichen hängen diese Faktoren von der Einstellung von Führungskräften und Angestellten ab.

Resistenz gegen diese Veränderungen kann daher dazu führen, dass Möglichkeiten nicht wahrgenommen werden und somit die Veränderung stagniert. Besonders in einem Sektor, der sich so stark verändert wie der Energiesektor, kann dies dazu führen, dass die Organisationen stehen bleibt. Zu einer Dezentralisierung gehört jedoch die Partizipation möglichst aller Akteure des Energiesektors, um das Ziel der Dekarbonisierung zu erreichen. Besonders die Resistenz eines zentralen Akteurs kann zu einem Scheitern des Vorhabens führen.

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Die Dezentralisierung der Energiewirtschaft stößt immer noch auf Widerstand

Ursachen von Ablehnung und Maßnahmen zu positiver Veränderung

Laut einer Umfrage stehen Angestellte und Führungskräfte tendenziell eher positiv zur Dezentralisierung. Dennoch ist die Zahl der Skeptiker nicht unerheblich. Interessant ist, dass große und globale Unternehmen der Dezentralisierung eher skeptisch gegenüberstehen, während kleine und lokale Träger tendenziell eine Dezentralisierung befürworten. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Um Dezentralisierung zu ermöglichen, muss daher ein veränderungsfreundliches Umfeld geschaffen werden.

Um Resistenzen bei Führungskräften und Angestellten zu überwinden, ist es wichtig, folgende Punkte zu erkennen:

  1. Veränderungen müssen klar kommuniziert werden. Wenn ein Angestellter den Sinn für die Maßnahmen, die zur Dezentralisierung beitragen, nicht erkennt hat, wirkt sich dies negativ auf seine Akzeptanz für die Veränderungen aus. Um das Geschäftsfeld der dezentralen Energiewirtschaft zu erschließen, brauchen sie Angestellte, die bei diesem langatmigen Transformationsprozess hinter den erforderlichen Maßnahmen stehen. Deshalb müssen Wege und Ziele der Veränderung verständlich sein.
  2. Häufig entsteht mangelnde Akzeptanz für notwendige Schritte durch mangelnde Partizipation der Angestellten an dem Prozess. Motivieren Sie ihre Mitarbeiter, indem Sie sie am Entwicklungsprozess beteiligen. Nutzen Sie deren Fachkenntnisse und Ressourcen zugunsten des Entwicklungsprozesses und für eine positivere Wahrnehmung der Veränderung. Es gilt: Wer an der Veränderung teilhat und Vorschläge und seine Erfahrung in die neuen Strukturen einbringen darf, wird Veränderungen stärker akzeptieren oder sogar befürworten.
  3. Ineffizienz durch mangelndes Fachwissen oder schlechtes Zeitmanagement sorgen dafür, dass Veränderungen stagnieren oder gänzlich ins Leere laufen. Bereiten Sie sich also vor. Profitieren Sie von den Erfahrungen anderer und machen Sie sich die Fachkenntnisse der Angestellte zu nutzen. Das spart ihnen Zeit und verhindert Misserfolge.

 

Die Digitalisierung als Stütze der Veränderung von Unternehmensinternen Strukturen

Digitale Prozesse können bei der Erfüllung dieser drei Punkte eine tragende Rolle spielen. Mit einer Implementierung von digitalen Prozessen kann die Akzeptanz für Veränderungen im Organisationsumfeld gesteigert werden, die neue Geschäftsstrategien ermöglichen. Am Beispiel der oben genannten Punkte lässt sich erkennen:

  1. Ein transparentes digitales Netzwerk sorgt dafür, dass Informationen zu den Veränderungsprozessen immer und überall verfügbar sind. Der Nutzer ist immer auf dem neusten Stand und hat Gelegenheit die Veränderungsprozesse nachzuvollziehen und umzusetzen.
  2. Nicht nur das transparente Teilen von Informationen, sondern auch die Partizipation an der Entwicklung oder an Entscheidungsprozessen wirkt sich positiv auf Veränderungen aus. Zusätzlich zur Transparenz sollte das digitale Netzwerk auch Raum für Interaktionen bieten, sodass der Nutzer die Veränderungen mitbeeinflussen können.
  3. Das digitale Netzwerk sollte nicht nur Informationen über den Veränderungsprozess, sondern auch Informationen wie man den Veränderungsprozess einleiten kann zur Verfügung stellen. Für die Implementierung eines Veränderungsprozessen muss Fachwissen zu diesem Veränderungsprozess verfügbar sein. Fehler werden so vermieden und zeitliche Effizienz treibt die Veränderung zuverlässig voran.

Sobald mit digitalen Prozessen ein solches veränderungsfreundliches Umfeld geschaffen wurde, ergeben sich neue Perspektiven. Ein Unternehmen, das Veränderungen vorher skeptisch gegenüberstand, würde so wahrscheinlicher die zentralen Punkte der Dezentralisierung umsetzen. Durch ein digitales Netzwerk lassen sich Geschäftsstrategien, dank Transparenz und Partizipation der Angestellten, erarbeiten und verwirklichen. Ein digitales Informationsnetzwerk ermöglicht es, die Strategien an die rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Mithilfe eines Pools aus digitalen Daten und Fachwissen, sowie eine effiziente Benutzeroberfläche, lassen sich technische Innovationspotenziale finden, erkennen und im Markt umzusetzen.

Akzeptanz in Politik und Wirtschaft

Akzeptanz in Politik und Wirtschaft kann nur gelingen, wenn das Problem der Residenz von Schlüsselakteuren angegangen und beseitigt wird. Im Falle der Politik muss eine Kooperationskultur geschaffen werden, die einen klimapolitischen Umbruch ermöglicht. Dies ist eine schwere Aufgabe, der sich jedoch die Parteien selbst stellen müssen. Im Falle der Energiewirtschaft ist das etwas anders. Mit Hilfe der richtigen Tools kann ein veränderungsfreundliches Unternehmensklima geschaffen werden. Hierbei spielen das Bewusstsein für Resistenzen im Unternehmen und der Wille zur Veränderung des Unternehmensklimas, sowie die Erschließung neuer Marktmöglichkeiten und die Nutzung digitaler Prozesse eine tragende Roll. Um eine dezentrale Energiewirtschaft zu erreichen, müssen Politik und tragende Akteure der Wirtschaft vorangehen und ein Gespür für Potenziale entwickeln. Flexibilität spielt hierbei ebenfalls eine wichtige Rolle, wenngleich es für Großunternehmen besonders schwer ist, ihr Schiff im Fahrwasser der Innovation zu manövrieren. Um Veränderungen zu ermöglichen, kann Hilfe von außen durchaus hilfreich sein. Eine Stütze mit der Veränderungsprozesse angestoßen werden können, ist der Sustaynamics e.V.

Welchen Mehrwert bietet der Sustaynamics e.V.?

Der Sustaynamics e.V. vereint eben jene notwendigen Tools für die Umsetzung der oben genannten Maßnahmen. Hierbei wird eine Plattform bereitgestellt, die Informationen zu Veränderungsprozessen transparent verfügbar macht. Die Fachbibliothek enthält zahlreiche Texte zu technologischen, rechtlichen und weiteren Themen zur erneuerbaren und dezentralen Energiewirtschaft. Zusätzlich bietet Sustaynamics die Möglichkeit an Veränderungsprozessen teilzuhaben. Durch eine Mitgliedschaft können Sie direkt auf das Informationsnetz zugreifen und selbst Informationen teilen. Mithilfe der Analyse-Tools lassen sich diese Informationen zeiteffizient beschaffen und Fehler vermeiden.

Zudem bietet Sustaynamics mit der „Akademie“ perspektivisch zahlreiche E-Learning-Applikationen an. Hierbei haben Sie die Möglichkeit Innovationsmethoden zu lernen und diese im Rahmen des E-Learnings anzuwenden. Zudem stellen wir Vorlagen aus den E-Learnings zur Verfügung. Aber: zu der praktischen Anwendung der Innovationsmethoden gehört auch eine gewisse Offenheit, sprich Akzeptanz für Veränderungen. Hierfür müssen Zweifel bezüglich der geplanten Projekte und Ablehnung überwunden werden.

Welche Werte vertritt der Sustaynamics e.V.

Wir bieten eine Lösungsvielfalt auf digitaler Basis an. Unser Ziel ist es die Transformation der Energiewirtschaft zu unterstützen, um die CO2-Neutralität der Energiewirtschaft zu erreichen. Hierfür stellen wir unseren Mitgliedern die nötigen Informationen und Tools zur Verfügung und reduzieren somit die Hürden im Zusammenhang mit Innovationsprozessen. Unser Kernansatz ist hierbei Transparenz und Open Innovation. Über die Vereinsinfrastruktur und die Hilfe unserer Innovations- und Fördermitglieder wird ein Pool an Wissen zur Planung und Umsetzung von Projekten kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie haben ebenfalls die Möglichkeit über das Sustaynamics-Netzwerk auf das Knowhow unserer Partner zuzugreifen und damit Ihr Projekt von Anfang bis zum Ende optimal umzusetzen. Probieren Sie es aus und werden Sie Mitglied der Sustaynamics-Community.

Quellen:

  • Studie zur Verwirklichung eines Veränderungsfreundlichen Umfeldes: Felix Kuske: Dezentralisierung im Energiesektor: Interne Blockaden überwinden, Freiburg 2019.
  • Zur Umsetzung eines Veränderungsfreundlichen Umfeldes: Felix Kuske: Aktive und passive Resistenzen im Kontext einer Dezentralisierung des Energiesektors in Deutschland, Freiburg 2018.
Jannis R. Szuppa

Jannis R. Szuppa

Jannis-R. Szuppa studierte Geschichtswissenschaften mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte und VWL in Freiburg. Mit Blick auf die Entwicklung von Wirtschaft und Industrie, ist er der Meinung, dass ein Wandel der Energiewirtschaft unausweichlich ist.

Felix Kuske

Felix Kuske

Felix Kuske war mehrere Jahre in einem Beratungsunternehmen für erneuerbare Energien tätig. Nach einer Fortbildung als Wirtschaftspädagoge, arbeitet er derzeit wieder als Business Developer für nachhaltige Geschäftsmodelle.

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