Das Dreisamstadion als nachhaltiger Beitrag für die Energiewende

Ein Standort mit Historie und einer Zukunft ist dabei, sich selbst neu zu erfinden – reichen die aktuellen Bemühungen aus?

Die Profis des Sportclubs sind vor einigen Wochen an den Wolfswinkel umgezogen. Die zweite Mannschaft macht eine gute Figur in der dritten Liga und auch die Frauen des Sportclubs Freiburg hatte unlängst ihr erstes Spiel im Dreisamstadion. Eine Aufbruchsstimmung im Verein ist deutlich zu spüren. Der Sportklub Freiburg will wachsen und braucht neue Flächen. Jedoch stellt sich die Frage, ob die Pläne im Zusammenhang mit der Nachnutzung des neuen Stadions ambitioniert genug sind.

Es gibt viele Beispiele, in denen Sportstätten in der Vergangenheit keiner sinnvollen Nachnutzung zugeführt wurden. Nach den Weltmeisterschaften in Brasilien und Südafrika verfallen viele der gebauten Arenen, weil das Geld für den Abriss fehlt. Aber nicht nur im Zusammenhang mit Großveranstaltungen wurde versäumt, spannende Nachnutzungskonzepte, die auf dem Tisch lagen, zu realisieren. Auch das Bökelbergstadion in Gladbach und der Alter Tivoli in Aachen zeigen, dass es häufig nur eine Übergangslösung ist, zweite Mannschaften am alten Stadion anzusiedeln, weil die Stadien überdimensioniert und teuer im Unterhalt sind. In Freiburg gibt es viele Anspruchsgruppen, die bereits Interesse angemeldet haben. Der Standort Dreisamstadion hat das Potenzial, allen Anforderungen der Freiburger Sportvereine gerecht zu werden und gleichzeitig kann der Standort noch mehr bieten.

Anforderungen der Interessensgruppen

Der Sportclub Freiburg hat bereits Interesse angemeldet. Die U23, die in dieser Saison in der dritten Liga aufläuft, sowie die Bundesliga Frauen und die Mädchenmannschaften haben im Dreisamstadion eine neue Heimat gefunden. Die Platzverhältnisse rund um das Möslestadion sind beengt und die Damen- und Mädchenmannschaften ziehen auf der Suche nach einer Heimat seit Jahren als Gast von Sportplatz zu Sportplatz. Insbesondere für die Bundesliga-Frauen des Sportclub Freiburgs ist die Situation prekär, da es schwerfällt ohne professionelles Umfeld Spielerinnen von einem Engagement in Freiburg zu überzeugen. Auch wenn die Bundesliga Frauen erstklassig und die U23 drittklassig spielen, ist die Kapazität des Stadions zu groß, weswegen über einen Rückbau der Nord- und Osttribüne nachgedacht wird. Zusätzlich will der Sportclub Freiburg am Standort die Abteilung für gesellschaftliches Engagement ansiedeln und ein Kompetenzzentrum für den Jugendsport schaffen. Die Stadt tut sich jedoch noch schwer, da auch andere Anspruchsgruppen wie die benachbarten Sportvereine Interesse angemeldet haben. Es ist davon auszugehen, dass die Stadt die Sportspange an der Dreisam erhalten möchte und Investoren keine Chance haben werden, das Gelände zu erwerben. Als Sportspange wird die Gesamtheit einer Reihe an Sportplätzen am Dreisamufer bezeichnet. Die Sportspange beginnt beim Unisportgelände und endet beim Strandbad.

Ambitionen in Richtung nachhaltige Nachnutzung

Das Dreisamstadion und die Sportspange sind Teil eines Klimaquartiers. Die Stadt Freiburg hat im Dezember 2019 ein klares Zeichen gesetzt und die Initiative „Unser Klimaquartier Waldsee“ ins Leben gerufen, die mittlerweile von vielen ehrenamtlichen Helfern mit Leben gefüllt wurde. Auch der Sportclub Freiburg, als bekanntester Anlieger im Quartier engagiert sich als Partner. Ein Ziel ist es, den Photovoltaikausbau zu fördern. Wie passend, dass die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Dreisamstadions zu den größten Energieerzeugungsanlagen der Stadt zählt. Wir fragen uns, ob am Standort nicht nur ein Kompetenzzentrum im Sportbereich realisiert werden sollte, sondern auch ein energetisches Quartierskonzept.

Stadion als Herzstück eines energetischen Gesamtkonzepts

Am Standort wird bereits durch Photovoltaik und Solarthermie viel Energie erzeugt. Gleichzeitig sollen im Klimaquartier immer mehr Photovoltaikanlagen auf privaten Dächern installiert werden. Am Rande des Klimaquartiers stehen zudem Windenergieanlagen, die im Jahr 2023 die staatliche EEG-Förderungen verlieren und daher in die Direktvermarktung integriert werden müssen, damit eine längere Laufzeit gewährleistet werden kann. Insgesamt sehen wir viel Energiepotenzial. Gleichzeitig gibt es im Quartier viele Verbraucher und auch Großverbraucher wie das Freibad. Regionale Stromvermarktung unter dem Label „Dreisamstadion“ könnte hier eine Option sein, um einen lokalen Wirtschaftskreislauf zu erschließen.

Fußball und grün
Der Fußball kann dazu beitragen, dass der Rasen auch weiterhin grün bleibt.

Nachhaltige Integration ins Quartier statt Abwarten

Anstatt einen Masterplan zu entwickeln und sich in Diskussionen und Verfahren zu verstricken, sollte die Standortentwicklung vielmehr ein Prozess sein, der darauf abzielt, Stück für Stück Synergien zu erschließen und lokale Wirtschaftskreisläufe aufzubauen. Es gibt noch viele Unklarheiten sowie inhaltliche und zeitliche Abhängigkeiten. Verschiedene Altlasten müssen beseitigt werden und Interessen müssen zusammengebracht werden.

In der Vergangenheit konnte man anhand der Diskussionen bezüglich der alten Stadthalle sehen, wie das Potenzial eines Standorts in Freiburg nicht ausreichend genutzt wurde. Sei guten 10 Jahren fehlt ein nachhaltiges Konzept. Die Stadthalle beheimatete phasenweise eine Unterkunft für Geflüchtete, eine Bibliothek für Studierende und zuletzt ein Schnelltestzentrum. Dabei wurde das Potenzial des Standorts jedoch nie richtig ausgeschöpft und der Verfall ist dem Gebäude mehr und mehr anzusehen.

Eine nachhaltige Entwicklung des Standorts Dreisamstadion und Integration ins Quartier wäre eine Möglichkeit, es besser zu machen. Eine nachhaltige Integration eines Gebäudes oder Geländes ins Quartier im Rahmen einer Quartierentwicklung kann dabei vieles beinhalten. Die Themen Ernährung und Mobilität können dabei eine Rolle spielen. Ein großer Standort wie der des Dreisamstadions bietet die Möglichkeit, Flächen für Mobilitätsstationen und Urban Gardening bereitzustellen. Vieles ist denkbar und auch machbar, wenn der Wille da ist.

Der Standort sollte daher einer Betreibergesellschaft übergeben werden, die das Ziel verfolgt, mittels ressourcenschonender und ökologischer Nachhaltigkeit einen Standort zu schaffen, der möglichst vielen Anspruchsgruppen einen Mehrwert stiftet.

Aufruf zum Problemlösen und Ideenentwickeln

Die Stadt Freiburg hat in der Vergangenheit Maßstäbe gesetzt, wie durch den Bau des autofreien Quartiers Vauban, was in den 90er-Jahren für Aufsehen über die Grenzen der Stadt hinweg gesorgt hatte. Freiburg ist bis heute mit dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme eine Keimzelle für Innovationen im Bereich der Energiewende. Freiburg als Green City beheimatete in der Vergangenheit viele Vorzeigeprojekte. Die Nachnutzung eines Stadions in Form eines sukzessiven Entwicklungsprozesses wäre ein weiterer Schritt, um den Standort zu stärken.

Der Sustaynamics e.V. als Ideenplattform

Der Sustaynamics e.V. ist ein Verein der Innovationen fördert, um eine vielfältige Zukunft zu gestalten. Für eine bessere Zukunft der nachfolgenden Generationen. Als Social Start-Up aus Freiburg ist es uns ein Anliegen auch in der Region aktiv zu sein und verschiedenen Ideen eine Plattform zu bieten. Wir als Verein möchten durch diesen Beitrag einen Dialog anstoßen und die Beteiligten dazu anregen über eine ambitioniertere Zielsetzung nachzudenken.

 

Felix Kuske

Felix Kuske

Felix Kuske war mehrere Jahre in einem Beratungsunternehmen für erneuerbare Energien tätig. Nach einer Fortbildung als Wirtschaftspädagoge, ist er derzeit Geschäftsführer von greentelligent und entwickelt innovative Wissensplattformen.

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